Demokratie, Cola-Dilemma in der Türkei
By Ozi on Monday, March 17 2008, 14:54 - Permalink
Wieder einmal und beklagenswerterweise steht der Türkei ein kontroverser Strafprozess bevor: der türkische Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya fordert ein Verbot der regierenden AKP (Partei fürGerechtigkeit und Entwicklung). Gleichzeitig läuft ein Verfahren gegen die DTP (Partei der Demokratischen Gesellschaft). Diejenigen, die erpicht auf ein Ende der AKP sind, sehnen wahrscheinlich ebenso ein Ende der DTP herbei. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die AKP, das Zentrum einer anti-säkularen Bewegung zu sein; der DTP wird Separatismus vorgeworfen. Hier wird also einfach mal die Schließung von zwei der insgesamt vier im türkischen Parlament (TBMM) vertretenen Parteien verlangt. Nur zu, knallt der AKP die Tür vor der Nase zu, besiegelt das Ende der DTP. Warum nicht gleich das gesamte Parlament? Ich höre die Leute schon sagen "Neeein, Özcan, Du übertreibst!", doch ich bin überzeugt, die erwähnten Partei-Schließungen werden von einer arroganten
Elite in der Türkei keineswegs als übertriebene Reaktionen angesehen.
Der Coup d'État vom 12. September 1980 hat diese arroganten Eliten entstehen lassen. Ich möchte außerdem hinzufügen, dass diese anti-demokratischen Eliten sich dafür einsetzen, denjenigen, die nicht hundertprozentig dem Prototyp des türkischen Bürgers entsprechen, den Zutritt zu Moscheen, Kirchen und Synagogen zu verbieten. Der Staatsstreich der Armee brachte eine neue Verfassung hervor, die in einer Art Copy-and-Paste-Manier innerhalb von fünf Tagen entstand und demokratische Politiker und Institutionen von der Bildfläche verschwinden ließ, Verfechter der Demokratie ins Gefängnis brachte und sich einen eigenen Himmel schuf. Es entstanden offizielle Kader mit Leuten, die sich bereit erklärten für eine ultra-nationalistische Regierung zu arbeiten, innerhalb eines säkularen, undemokratischen Rahmenwerks. Infolge dieser Verfassung verschärfte sich die "kurdische Frage" und religiöse Angelegenheiten in der Türkei wurden verkompliziert. Die Putsch-Regierung verhängte harte Strafen gegen demokratische Aufständische in den 1980er Jahren und stärkte die Eliten, die sich nach dem 12. September herausformten.
Heute ist die Türkei in einem neuen Zeitalter, es ist das Zeitalter der Moderne. Nie zuvor war der Wunsch nach Demokratie in diesem Lande größer. Doch anti-demokratische Eliten, die Kinder des Putsches, machen sich angesichts dieses Wunsches große Sorgen, denn sie fürchten ihre Positionen zu verlieren. Die Eliten haben die türkische Gesellschaft seit jeher in Angst versetzt und gespalten: in nationalistische und religiöse Gruppierungen. Die Oberen des Landes haben Verwirrung zwischen den einfachen Mitgliedern der Gesellschaft gestiftet, um ihre eigene privilegierte Stellung zu genießen und sie verzögerten demokratische Reformen. Die Wahlen vom 22. Juli 2007 haben jedoch erwiesen, dass das türkische Volk keinen Lügen mehr Glauben schenkt. Die genannten Elite-Gruppen stellten sich selbst als Anhänger unseres
Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk vor. Ironischerweise glauben sie das selbst bis heute. Doch wenn es um "republikanische" Herrschaftsformen, verhalten sie sich anders. Zum Beispiel weigerten sie sich, Wahlergebnisse zu respektieren und häufig setzen sie sich für die Schließung von Parteien ein. "Der Bauer ist der wahre Herr des Volkes", sagte Atatürk 1920 bei einem Besuch einer kleinen anatolischen Stadt.
Aus Sicht der Eliten ist ein Dorfbewohner jedoch nichts anderes als ein einfacher Diener der Eliten. Es gibt außerdem eine klare Vorstellung davon, wie ein Bürger zu sein habe. Der stereotypische Bürger der Türkei sollte ein hundertprozentiger Nationalist sein, sunnitischen Glaubens, aber nicht religiös, sondern einen säkularen Lebensstil pflegen, er sollte in Gesellschaft Alkohol trinken und als Soldat geboren werden. Gewisse arrogante türkische Eliten haben sich an ihren speziellen Status gewöhnt, während sie in staatlichen Einrichtungen günstige Mahlzeiten einnehmen, wozu sie billiges Bier oder Cola trinken.
Unsere liebenswerten Eliten sind die unerschrockenen Verteidiger des Status Quo. Sie haben sich daran gewöhnt, die bewaffneten Gruppierungen um Hilfe zu bitten, wenn sie eine Gefahr wittern, die ihre besonderen Zuschüsse bedrohen. Im vergangenen Jahr fürchteten sie im Präsidentschaftswahlkampf ihren Einfluss zu verlieren. Nachdem sie die türkische Armee nicht zum Einschreiten bewegen konnten, griffen sie in einem verzweifelten Versuch, ihre vorteilhafte Position zu verteidigen, zu anderen Methoden und streuten öffentlich Lügengeschichten über die Regierungspartei und veranstalteten Protestzüge in Ankara, Istanbul, Izmir und Manisa. Als sie merkten, dass ihre Taktik nicht aufging, forderten sie die Menge auf, Neuwahlen zu fordern -- die sie am Ende verloren, vom Volk abgestraft. Die AKP gewann rund 47 Prozent der Stimmen.
Die säkularen türkischen Eliten haben die Wahlen und andere Kämpfe verloren. Nun greifen sie zu ihren letzten Mitteln die demokratische Zukunft der Türkei zu verhindern. Wir sollten uns jedoch fragen, ob ein billiges Bier eine Destabilisierung der Türkei wirklich wert ist.
Özcan TİKİT
(Übersetzung aus dem Englischen Dorte HUNEKE)
Comments
naja, das ist sowas von übertrieben....nationalismus ist nicht der kerngedanke dieser elite, sondern der kemalismus an sich....die türkei ist seit einem jahrhundert kemalistisch...der kemalismus hat die türkei europafähig gemacht..als die demokratie ihreschattenseiten zeigte, jeder jeden ermordete, jeder tat, was er wollte, musste das militär eingreifen, diese elite gab's aber schon vor dem putsch, naja, mit cola-dilemma hat das nix zu tun..viell sollte der autor mal bücher über geschichte lesen,, statt nur irgendwelchen anti-elitären humbug zu labern
Ja, da muss ich dem Erdi recht geben.
Glaubt mir, alle anderen Länder würden genauso handeln wie der Staatsanwalt in der Türkei, wenn irgendwelche Parteien gegen das Grundgesetz verstoßen, obwohl man sie mehrfach darauf hingewiesen hat, dass dies schlimme Folgen haben wird. Na ja, wer nicht hört, muss fühlen. Der Herr Özcan Tikit, der soll sich ein paar Geschichtsbücher kaufen und damit ein wenig Zeit verbringen, bevor er wieder an die Öffentlichkeit schreibt. Solche Menschen wie den kennen wir nur allzu gut. Sicherlich denkt er sich, die Menschen außerhalb der Türkei haben von der Geschichte dieses Landes sowieso keine Ahnung und werden an meinen Kauderwelsch glauben.
Mir fehlen einfach nur die worte, dieser erdogan ist der einzige politiker, der mich inspiriert und wirklich wieder große hoffnung für die zukunft der türkei macht. ich hoffe von herzen, dass er die letzten versuche des teufels abwehrt und die türkei endlich säubert von den parasiten. die türkei ist ein land für kurden, aleviten, lasen, juden, christen, moslems...ein offenes land mit einer rosigen zukunft und ich hoffe und hoffe, dass die schlechten nicht stark genug sind, um einen guten zu stürzen. meine ganze liebe und achtung an erdogan
Ich bin selbst ein überzeugter Kemalist und Anhänger Atatürks. Aber, wie schwer es mir auch fällt, muss ich die heutige Regierung, loben. Der Erfolg, sie es politischer oder wirtschaftlicher Natur, welche sie in den letzten 5 Jahren für die Türkei verbucht haben, stellt die letzten 50 Jahre unserer Republik in den Schatten. Doch das mögliche Parteiverbot hat sich die AKP selber zu verschreiben. Sie haben sich zu sehr aus dem Fenster gelehnt. Bereits 3 mal wurden sie vom Verfassungsgericht gewarnt. Der jetztige Verbotsantrag ist somit nicht überraschend. Jedoch halte ich Erdogan für einen schlauen und realistischen Mann, welcher seinen Weg aus dieser Misere finden wird. Ein Parteiverbot würde keinem in der Türkei helfen, es würde allen Schaden. Man hat bereits einen Vorgeschmack bekommen, indem die türkische Börse gestern um 10 % runtersackte.
Dieser Verbotsantrag ist ein Mittel, die Regierung in Schach zu halten. Eine Warnung, dass hinter dem Laizismus ein riesiger Gigant steht, welche von keiner Macht dieser Welt zerbrochen werden kann, und sei es, Erdogan hätten 90% der Wählerstimmen hinter sich.
@Murat Karaman: Ist ja schon richtig, dass die Türkei ein Land für für kurden und lasen ist. Aber es sollte schon auch ein Land für die Türken sein ;).
Der Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya ist ein Kurde.
In der Türkei werden Nichttürken alles. Generele, Staatspräsidenten, Ministerpräsidenten etc.
Ganz bestimmt ist der erfolg der Eurpaisierung der Türkei in den letzten 5 Jahren nicht nur der AKP zuzuordnen.
Alleine schon die tatsache das ein kurde Generalstaatsanwalt ist und den antrag zur schliessung einer x belibigen pertei einreichen kann zeigt das in der türkei so ziehmlich Jeder Jeglicher Herkunft weden und sein kann was er gerne möchte. Die türkei ist in jeder hinsicht ein land mit extremen und Paradoxen eigenschaften. Genauso kann der Wirtschaftlich erfog nicht durch die letzten 5 jare entstanden sein. Wirtschaftlich ist die Türkei seit langem auf dem richtigem weg aber auch die Konsumer Kaufkraft von 80 Mio mänschen ist für Europa nicht zu Unterschätzen. Nach meinem ermessen würde selbst K.Atatürk den §301 Abschaffen und das GGB anpassen. Leider gibt es heute nicht viele menschen die Ihre ansicht der zeit anpassen daher entstehen auch Kategorien wie der Koptuch-Kapitalist. Es sollte egal sein wie sich jemand kleiden möchte aber nur so lange es keine gefahren für andere Menschen gibt. Damit meine ich Terrorrismus in öffentlichen einrichtungen wie Schulen oder Behörden. Auf den Behörden in Deutschland ist an jeder Wand eine Anweisung wie Die Kopfbedekung zu tragen ist. Ganz bestimmt wird der islam nicht Gesetz in der Türkei aber er wird sich sicherlich vermehren. Wir Könnten uns ja auch Farbigen Plakenten anstecken.
Naja.. eigentlich wollte ich ja nur sagen das ich es schade finde das es niemend in der Türkei schafft ohne Religion Politig zu machen - aber wo gibt es das schon.
Selbst ATA hatte schon probleme damit.
CU
Bin schon seit 29 Jahren Türke.
Hatte bis jetzt noch nie das Gefühl, dass Herr Atatürk etwas für mich getan hätte.
Ich schließe mich der Meinung an, dass eine geld- und machtgeile Elite in der Türkei diesen Herren und alles, was mit ihm zusammen hängt, mit aller Gewalt im Alltag präsent hält.
[...]* Ich brauche diesen Mann nicht mehr. So wie die Leistung von mir und jedem anderen nach einer gewisser Zeit vergessen wird, es sei denn, sie ist welt bewegend, sollte seine auch vergessen werden, wenn er denn überhaupt was bewegt hat. [...]* Ich will es gar nicht wissen, möchte aber mir auch nicht das Recht nehmen lassen, sagen zu dürfen, dass das, was er erreicht hat, einfach zu wenig ist und dass ich es besser hätte können. Es kann doch nicht sein, dass jedem Grundschüler beigebracht werden soll, dass es irgendeinen Türken gab, der war der Beste und besser geht es nicht. So ein Geschwätz. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Geier mobilisieren, wenn der Staat anfängt Betriebe zu privatisieren. Jetzt fehlen natürlich die Aufträge, die sie seit Jahrzehnten für schlechte Leistung bekommen haben, und das auch noch zu weit höheren Preisen als marktüblich. [...]* Der kurdische Staatsanwalt hat eine Ähnlichkeit mit Michael Jackson, der war auch nicht weiß, wollte es aber unbedingt sein.
*Hier wurden Beleidigungen des türkischen Staatsgründers gelöscht, weil dies in der Türkei unter Strafe steht...
was sollte das bitte?
warum wurde mein Eintrag gelöscht?
darf man hier die Meinung, dass das richtig ist, nicht vertreten?
Anmerkung: Hier wurde kein Eintrag gelöscht, vielleicht noch einmal senden?!
Endlich ein mutiger türkischer Staatsanwalt, der den religiösen Fanatikern Paroli bietet. In der BRD reißen die Pfaffen inzwischen, beseelt vom islamischen Vorbild, ihr Maul auch schon wieder zu weit auf. Immer, wenn irgendeine religiöse Gruppierung zu mächtig wurde, entstanden Kriege. Anstatt sich auf den einen Schöpfergott zu konzentrieren, erfinden diese religiösen Spinner immer neue Glaubensbilder und hetzen Menschen in den Tod. Friedrich II, der Staufferkaiser, hatte schon damals das Spiel der Pfaffen und Mullahs erkannt. Aber niemand zog Lehren daraus.